Vater-Tochter-Beziehung: Darum ist diese Bindung eine der wichtigsten im Leben

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Die Vater-Tochter-Beziehung wird immer noch unterschätzt, obwohl sie Auswirkungen auf das ganze Leben der Kinder hat. Was macht diese Beziehung so besonders?

Vater-Tochter-Beziehung: Von Psychologen lange Zeit unterschätzt

Die Vater Tochter Beziehung gilt heute als eine der wichtigsten Bindungen im Leben eines Mädchens. Lange Zeit war sie jedoch selbst von Psychologen unterschätzt worden, denn die Liebe der Mutter und später der eigenen Familie sollte fehlende Zuwendung durch den Vater doch kompensieren können.

Diese Theorie gilt längst als widerlegt und es ist klar, dass die Beziehung, die die Tochter zu ihrem Vater hat, Auswirkungen auf ihr ganzes Leben, auf ihre Partnerwahl und Bindungsfähigkeit hat. Wie Töchter ihren Vater erleben, das kann die Sicht auf Männer allgemein prägen und wird auch einen Effekt auf die Erziehung der eigenen Kinder haben.

Väter legen mit ihrem Vorbild den Grundstein für die späteren Beziehungen, die ihre Tochter eingehen wird. Töchter lernen von ihren Vätern, wie ein Mann tickt, welche Macken er haben kann und was ihm wichtig ist. Dabei ist interessant, dass von einem Mann auf alle geschlossen wird, denn der Vater steht sinnbildlich für die gesamte Männerwelt.

Dabei kann ein Vater, der seine kleine Prinzessin umsorgt und dauerhaft verwöhnt, ebenso schädlich für deren Entwicklung sein wie ein Papa, der sich aus der Erziehung gänzlich heraushält, kaum anwesend ist oder die Kleine trotz ihrer Bemühungen, ihm zu gefallen, einfach nicht sieht.

David Blankenhorn, seines Zeichens nach Sozialhistoriker aus den USA, sieht die Vaterlosigkeit als schädlichen Trend. Immer mehr alleinerziehende Mütter ermöglichen ihren Töchtern zwar einen gesicherten Start in das eigene Leben, doch ein wichtiger Baustein fehlt. Der Ansicht Blankenhorns nach haben Kinder, die sich vom Papa nicht geliebt fühlen oder komplett ohne ihn aufwachsen müssen, später mit einem geringeren Selbstwertgefühl zu kämpfen, stehen mehr Ängste aus und leiden häufiger unter Depressionen und sogar Übergewicht.

Selbst der Drogenkonsum ist ein häufigeres Problem bei Frauen, die als Kind ohne Vater aufwachsen mussten. Anderseits bewirkt eine intakte Vater Tochter Beziehung ein erfüllteres, glücklicheres Leben, funktionierende Beziehungen und ein höheres Selbstwertgefühl. Als problematisch kann sich dabei durchaus der Vaterkomplex erweisen, bei dem alle Männer automatisch mit dem Vater verglichen werden. Und diese können dabei nur verlieren!

Steht der eigene Papa auf einem Podest, bleibt er dort unerreichbar. Hier muss ein Mittelweg gefunden werden. Danke sagen, ihn toll finden, auch später noch verwöhnen und die intakte Vater-Tochter-Beziehung hochhalten, das alles ist in Ordnung. Gleichzeitig sollte jeder andere Mann aber als eigenständig betrachtet werden. Er muss nicht zwingend alle Züge des eigenen Vaters mitbringen und kann sich durchaus durch andere Charaktereigenschaften auszeichnen.

Der Vaterkomplex geht teilweise soweit, dass die eigene Mutter abgelehnt wird. Auch das ist ein psychologisches Phänomen, das nicht unproblematisch sein dürfte.

Der einstige Familienvater ist nun noch ein Gast im Leben der Tochter, die anfangs enge Beziehung zerbricht.

Der einstige Familienvater ist nun noch ein Gast im Leben der Tochter, die anfangs enge Beziehung zerbricht.(#01)

Diese Auswirkungen haben nicht intakte Vater Tochter Beziehungen

Mittlerweile werden rund 50 Prozent aller Ehen, die in Deutschland geschlossen werden, auch wieder geschieden. Kinder aus diesen Ehen bleiben häufiger bei der Mutter als beim Vater, vor allem, wenn sie noch kleiner sind. Die Väter treten gerade anfangs häufig in Erscheinung, nicht selten verliert sich der Kontakt jedoch mehr und mehr.

Der einstige Familienvater ist nun noch ein Gast im Leben der Tochter, die anfangs enge Beziehung zerbricht. Väter, die ihre Töchter nur alle zwei Wochen für ein Wochenende sehen können, verlieren den Bezug zum Leben ihrer Mädchen. Sie wissen meist kaum noch, was für die Kleine wichtig ist und erleben das Gefühlschaos eines pubertierenden Teenagers nur noch aus der Entfernung. Der Alltagsbezug fehlt.

Eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung kann entstehen, bei der sich das Mädchen auf der einen Seite zwar noch geliebt fühlt, auf der anderen Seite aber vom Vater verlassen. Kommt dann noch die Pubertät hinzu, in der nicht wenige Väter nicht mehr wissen, wie sie sich verhalten sollen (Wie viel kuscheln ist noch erlaubt?), fühlen sich die Töchter oft verstoßen. Dies kann sie lebenslang prägen!

Nun stellt sich die Frage, ob ein Vaterersatz möglich ist. Kann ein anderer Mann die übliche Vater Tochter Beziehung ersetzen?

Nun stellt sich die Frage, ob ein Vaterersatz möglich ist. Kann ein anderer Mann die übliche Vater Tochter Beziehung ersetzen?(#03)

Folgende Probleme sehen Psychologen und schließen als Ursache auf eine nicht intakte Vater-Tochter-Beziehung:

  • Väter ziehen sich aus dem Leben der Tochter zurück
  • Mädchen lernen nicht, wie sie sich Männern gegenüber verhalten sollen
  • männliches Vorbild fehlt
  • “Sparringspartner“ bei den ersten Schritten in Richtung Entwicklung zur Frau fehlt
  • geringeres Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein durch fehlende Anerkennung
  • Minderwertigkeitsgefühle gegenüber Männern

All diese Probleme können auftreten, müssen aber nicht. Sie sollten aber allen Vätern bewusst sein, die sich von ihren Kindern abwenden, wobei nicht nur das geliebte Töchterchen später Probleme bekommen wird, sondern natürlich auch der Sohn, der sich vom Papa verlassen fühlt. Andererseits ist es für viele Männer einfacher, ihre Kinder gar nicht zu sehen, als sie nur eine begrenzte Zeit um sich haben zu dürfen. Geschiedene Eltern sollten daher immer Wege finden, die Erziehung der Kinder aufzuteilen und den Vater nicht nur als bloßen Erzeuger sehen.

Nun stellt sich die Frage, ob ein Vaterersatz möglich ist. Kann ein anderer Mann die übliche Vater Tochter Beziehung ersetzen? Die klare Antwort: Jein! Denn ein neuer Partner oder der Onkel kann nur zum gewissen Maß als Vorbild dienen, denn die Mädchen können sich an diesen ausprobieren und Erfahrungen hinsichtlich Anerkennung und Wertschätzung sammeln. Dennoch, selbst wenn der eigene Papa gern als „Erzeuger“ bezeichnet wird, lässt er sich nicht durch andere Männer ersetzen.

Die Beziehung, die Papa und Tochter normalerweise miteinander haben, lässt sich nicht einfach austauschen oder mit einer anderen Person ersetzen. Sie ist einzigartig, daher sollte der Vater auch bei jedweden Vorkommnissen immer Teil der Familie bleiben. Die Kinder fühlen sich ansonsten wertlos, ohne Bedeutung und unwichtig. Psychologen sind sich einig, dass ein Kind immer sich selbst, Papa und Mama als Familie sieht, eben genauso, wie es eigentlich sein sollte.

Eine andere Person kommt immer von außen in dieses Gefüge hinein und kann bestehende Familienmitglieder nicht ersetzen. Auch wenn die Heranwachsende geliebt wird und die Beziehung, wie sie original sein sollte, nicht gelebt wird, besteht sie doch im Kopf der Mädchen. Daher: Väter haben die Verantwortung für ihre Töchter und das nicht nur in der Zeit nach der Geburt, sondern auch später noch. Selbst im Erwachsenenalter setzen Frauen auf ihre Väter und schöpfen Kraft aus der Anerkennung und Wertschätzung, die ihnen (hoffentlich) entgegengebracht wird.

Ein Vater sollte den Psychologen zufolge also unter allen Umständen für seine Tochter sein, sollte die gute Beziehung immer aufrechterhalten.

Ein Vater sollte den Psychologen zufolge also unter allen Umständen für seine Tochter sein, sollte die gute Beziehung immer aufrechterhalten.

Typische Probleme einer Vater-Tochter-Beziehung

Ein Vater sollte den Psychologen zufolge also unter allen Umständen für seine Tochter sein, sollte die gute Beziehung immer aufrechterhalten. Dennoch zeichnen sich innerhalb einer typischen Vater Tochter Beziehung verschiedene Probleme ab, die in vielen Familien ähnlich sind:

  1. Zu wenig Anerkennung

    So manche Tochter gönnt sich kaum eine Pause. Sie bringt gute Noten nach Hause, lernt nach der Schule für die anstehenden Test. Sie zeigt sportliche Höchstleistungen, spielt vielleicht noch ein Instrument. Dennoch werden die Kleinen (und Großen) nicht gesehen. Sie können sich noch so sehr anstrengen, der Papa beachtet sie nicht oder zu wenig. Daraus resultiert ein Gefühl der Mutlosigkeit, der fehlenden Selbstachtung und der Wertlosigkeit. Sogar dann noch, wenn diese Kinder längst erwachsen geworden sind, suchen sie nach der Bestätigung durch ihren Papa und ersatzweise durch andere Männer.

    Sie fühlen sich nie gut genug, streben immer nach mehr und erlangen doch nie die Selbstbestätigung, die sie suchen. Dies zermürbt auf Dauer und kann sich in Depressionen und starken Versagensängsten niederschlagen. Oft suchen sich diese Frauen einen Partner, der ähnlich ablehnend ist. Sie streben nach dem bisher erlebten Beziehungsmuster und setzen dieses fort. Nicht selten landen solche Frauen beim Psychologen, weil sich ihre Selbstwertgefühle immer mehr verringern.

    Die Vater Tochter Beziehung gilt heute als eine der wichtigsten Bindungen im Leben eines Mädchens.

    Die Vater Tochter Beziehung gilt heute als eine der wichtigsten Bindungen im Leben eines Mädchens.(#04)

  2. Zu große Dominanz

    Mancher Familienvater ist zwar abweisend und erkennt die guten Leistungen der Tochter nicht an, ist aber dennoch sehr dominant. Die Tochter erlebt dies als geringe Wertschätzung und strebt später als Frau nicht selten danach, sich von genau diesen Männern zu distanzieren. Probleme in der Partnerschaft sind dabei fast vorprogrammiert, denn auch die Frau kann nun sehr dominant auftreten.

    Frauen sind oft weniger emanzipiert, wenn sie in der Kindheit keine Gleichberechtigung erlebt haben, oder werden zu Frauen, die sich auf Biegen und Brechen durchsetzen wollen. Ein gesundes Mittelmaß kennen sie nicht. Dies kann sich sogar im Berufsleben fortsetzen, denn während einige Frauen sich automatisch unterlegen fühlen, sobald sie sich einem ähnlich dominanten Mann wie ihrem Vater gegenübersehen, schlägt das Gefühl bei anderen ins Gegenteil um. Sie fühlen sich überlegen und erzeugen damit eine unangenehmen Atmosphäre, die von Dominanz und Aggressionen geprägt ist.

    Kommt die Tochter in die Pubertät, stellt das die ganze Familie vor ungeahnte Herausforderungen.

    Kommt die Tochter in die Pubertät, stellt das die ganze Familie vor ungeahnte Herausforderungen.(#05)

  3. Zu wenig Autonomie

    Kommt die Tochter in die Pubertät, stellt das die ganze Familie vor ungeahnte Herausforderungen. Nicht selten fühlt sich die Tochter in Konkurrenz zur Mutter und möchte die Beziehung zum Vater um jeden Preis stärken. Zeitgleich stellt der erste Freund der Tochter einen Konkurrenten für den Vater dar. Konkurrenz belastet die Vater Tochter Beziehung jedoch sehr und kann dazu führen, dass sich beide auseinanderleben.

    In dieser Phase sollten die geliebten Prinzessinnen in ihrer Selbstständigkeit bestärkt werden. Sie müssen lernen, Dinge selbst zu entscheiden und sich vor allem auf sich selbst zu verlassen. Sie neigen ansonsten dazu, sich später allzu sehr auf ihren Partner zu verlassen und eben keine Sachen mehr selbst zu entscheiden.

    In dieser Zeit wird der Grundstein für die spätere Stärke der Frauen gelegt, denn nicht umsonst heißt es, dass gute Väter für starke Mädchen sorgen. Sie lassen dem Teenager die Kontrolle und führen die Tochter geschickt in die richtige Richtung. Sie müssen nicht der beste Freund sein, der sie rundum verwöhnt. Der Vater soll eine Richtung vorgeben und diese als groben Hinweis verstehen. Die geliebte Tochter ist es, die den richtigen Weg finden muss und dabei sicher sein sollte, dass sie immer in den sicheren Hafen bzw. die Arme des Vaters zurückkommen kann.

    Der altbekannte Spruch von den Wurzeln und Flügeln, die ein Kind bekommen sollte, entfaltet vor allem in der Pubertät seine volle Wirkung.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Evgeny Atamanenko-#01:  fizkes_-#02: Pixel-Shot  -#03:   Liderina-#04: Dina Uretski  -#05: Viachaslau Govorkov

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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